So wie Du oder ... nur ein wenig Freude machen.
Ach wie recht Du doch hattest, lieber Rolf! Es war tatsächlich ein gigantisches Erlebnis für die Marathonstaffel, in der Landeshauptstadt zu laufen und am Schluss ins Olympiastadion einzulaufen. Doch nicht nur für die Staffel um Anita Kinle war dieser Sonntag etwas ganz Besonderes. Wohin man auch sah und was man auch hörte, es war Begeisterung pur.
Für Pumuckl ging dies bereits am Samstag auf der Marathonmesse los. Noch nicht richtig in der Event-Arena, kam mir schon ein Vater mit seinen zwei kleinen Kindern entgegen. „Schaut, da ist er ja, der Pumuckl!“, sagte er voller Freude zu seinem Nachwuchs, und dann zu mir:: „Wir haben schon auf Dich gewartet.“ Als ich mich noch mit den dreien unterhielt, warf mir schon ein Vorbeikommender unaufgefordert Geld in meine Sammeltasche. Wahnsinn!
Am Sonntagmorgen dann die große Freude nicht nur über den strahlend blauen Himmel über der bayerischen Hauptstadt, sondern vor allem auf die Begegnung mit meinen 14 maskierten Mitstreitern. Diese sollte ich kurz nach neun Uhr an der Startlinie treffen. Der Weg von der Event-Arena bis ganz nach vorne an den Start kam mir diesmal ewig lang vor, und so kam ich, wie jedes Jahr, auch diesmal mit Verspätung zum vereinbarten Treffpunkt. Hier musste ich rasch ein paar Fernsehteams vertrösten, die mit Pumuckl ein Interview aufzeichnen wollten. Jetzt wurden nämlich zu allererst meine farbenfrohen Freunde begrüßt und die Sammeltaschen ausgeteilt. Wirklich schööön hatten sie sich rausgeputzt. Bei einer Maskenprämierung hätte jeder einzelne von ihnen locker um den 1. Preis mitfiebern können.
Auch die Skater um ihren Boss Klaus Halama waren schon da. Die sechs unterstützen uns Benefizläufer seit Jahren bei Straßensammlungen. Sie machen über die mitgeführte Musikanlage Werbung für unser Anliegen und beschallen die Strecke mit flotter Musik. Diese starken Typen sind bei derartigen Aktionen kaum noch wegzudenken.
So, nun waren aber die Interviews angesagt. Der Bayerische Rundfunk, der Sender München TV und das Wetterfernsehen, allesamt hatten sie Fragen zur Spendenaktion, zur Verkleidung, zum Barfußlaufen und, wie es sich für wetter.com gehört, na? Richtig, zum Wetter! Ich hab meiner Gesprächspartnerin Vanessa mal fachmännisch geantwortet, dass dies heute die idealen Lauftemperaturen wären. Na ja, am Ende wurde es dann doch einigen zu heiß.
Heiß wurde nun auch die Phase vor dem Start. Für die Fotografen zusammenstellen für das obligatorische Gruppenfoto, nach Anita und ihren Staffelläufern Ausschau halten, rauf auf den Sprecherwagen, von wo aus Roman Röll und Peter Maisenbacher moderierten, die CD mit dem eigens für die DS-Staffel komponierten Lied (nein, nicht von mir!) abgegeben, runter und in Richtung nächsten Busch – auch das muss schließlich sein –, auf dem Weg dort hin für Privatfotos posiert und zurück in den nächsten Startblock. Inzwischen war auch Anita mit ihren Leuten da, nur die standen vor und wir hinter der Zeiterfassungsmatte. An das im Vorfeld geplante gemeinsame Foto mit Staffelteilnehmern, Spendensammlern und Skatern war nun nicht mehr zu denken. Stattdessen wurde jetzt „So wie du“, das Lied der DS-Staffel gespielt. Bis zu mir hinter konnte ich den schlagartig ansteigenden Herzschlag von Anita und ihren Marathonis sowie deren Betreuern spüren. Im Lied heißt es ja nicht umsonst
„Heut ist der Tag, heut geht es los. Die Aufregung am Start ist riesengroß.“
Es hat ja auch nicht jeder eine eigene Hymne!
Und dann ging’s tatsächlich los, und Pumuckl erlebte in den kommenden 5 Stunden 40 das, was er schon sechsmal zuvor bei solchen Straßensammlungen erlebt hatte. Die Zuschauer, und das sind beileibe nicht nur die Kinder, warten inzwischen schon an der Strecke auf die Maskierten. Hier ein Schwätzchen, da ein Foto und ab und zu ein Bierchen. Und fiel die Spende besonders großzügig aus, gab’s auch mal ein Küsschen. Einige Male ist es mir sogar passiert, dass mir Zuschauer entgegen- oder nachliefen, nur um ihre Spende los zu werden. Läufer stecken sich mittlerweile extra Geld ein, nur um es einem Verkleideten während des Laufs in die Sammeltasche zu geben. So hörte ich von unzähligen Teilnehmern vor, während und nach dem Lauf, dass sie es toll fänden, was wir da machen.
Ja, was meine maskierten Mitstreiter da machten, fand ich ebenfalls großartig. Nicht nur, dass sie ihre Aufgabe sehr ernst nahmen und fleißig Leute ansprachen, nein, sie verbreiteten als Farbtupfer im Läuferfeld zweifellos Freude und gute Stimmung. Bedenkt man, dass sieben der insgesamt 12 Benefizläufer auf der Marathonstrecke zum ersten Mal bei einer derartigen Aktion dabei waren, kann ich nur ein riesiges Lob aussprechen. Es hat ausgesprochen gut getan, mit Euch und den schon „Erfahreneren“ durch München zu ziehen. Tausend Dank Euch allen!
„Auf der Strecke fühlen sie sich gut. Die Menschen jubeln ihnen zu, und das macht Mut.“
Diese Textpassage aus dem DS-Staffel-Lied sagt aus, was nicht nur Pumuckl Mitte Juni beim Metropol-Marathon in Fürth und jetzt in München hautnah erleben durfte. Anitas Marathonis waren wieder mit Begeisterung bei der Sache und liefen trotzdem wie „alte Hasen“ stets kontrolliert. Ja, und die Leute jubelten ihnen wahrlich anerkennend zu, nicht nur die am Streckenrand. Welch große Freude zu sehen und zu spüren, dass diese Randgruppe, der man bis vor kurzem solche Ausdauer gar nicht zutraute, nun auch auf Laufstrecken zu finden und im Läuferfeld akzeptiert ist. Mit der Staffelgründung hattest Du eine geniale Idee, liebe Marathon Anita :-) ! Mit wie viel Hingabe und Liebe Du Dich für Deine Sache, Deine Marathonis und deren Familienmitglieder, engagierst, wissen wohl nur wenige. Du hast es innerhalb kürzester Zeit geschafft, dass auch folgender Text aus Eurem Lied wahr wird:
„Wir alle laufen so wie Du – auf Dich zu.“
So wie Menschen mit Down-Syndrom durchweg äußerst liebenswerte und herzliche Zeitgenossen sind, so laufen gerade Deinen Marathonis die Herzen derzeit reihenweise zu, liebe Anita. Wie viel Freude dabei wiederum in deren Familien und deren gesamtes Umfeld getragen wird, lässt sich nur erahnen.
Erahnen konnten wir allesamt auch lange nur den geplanten gemeinsamen Einlauf ins Olympiastadion. Bereits auf dem Kilometer davor wurden wir von Läufern lautstark jubelnd begrüßt, die mit Medaille um den Hals am Streckenrand die Nachmittagssonne genossen. Schon hier heraußen machte sich eine endlose innere Zufriedenheit und Dankbarkeit in mir breit. Diese Atmosphäre hatte ich mir für jeden, der an der DS-Staffel in irgendeiner Weise beteiligt war, aber natürlich auch für jeden meiner Spendensammler und Skater gewünscht.
So, noch durchs Marathontor und auf die letzten 300 Meter. Und höre da, auch Pumuckl bekam jetzt noch seine Hymne. „Hurra, hurra, der Kobold mit dem roten Haar ...“ schallte es aus den Lautsprechern durchs Stadion. Tja, dass lässt einen Klabauter auch nach über 50 Laufeinsätzen nicht kalt.
Im Ziel dann solch emotionale Augenblicke, dass man sie nicht beschreiben kann. Wir alle waren überglücklich. Roman Röll von Bayern 3 stellte fest, dass seit dem Eintreffen des Siegers an diesem Nachmittag keine bessere Stimmung im Olympiastadion herrschte. Die letzte Zeile aus dem Lied der DS-Staffel traf somit auf jeden von uns zu:
„Muskelkater in jedem Bein. Doch es ist einfach toll, dabei zu sein.“
Nun folgte noch ein Interview mit Roman, Anita und Pumuckl. Anschließend wurde das am Start verpasste Gesamtgruppenfoto nachgeholt, bevor es an die Verpflegungstische ging. Nach einer kurzen Stärkung verließen wir den Innenraum, um der Einladung des Veranstalters in den Ehrengastbereich des Stadions zu folgen.
An dieser Stelle muss ich ein weiteres Mal betonen, dass diese Spendenaktion nur möglich ist, weil der Veranstalter dies nicht nur zulässt, sondern mich auch bei der Vorbereitung nach allen Kräften unterstützt. Die reibungslose Zusammenarbeit mit Euch hat auch diesmal wieder riesigen Spaß gemacht. Liebe Uschi, lieber Gernot, liebe Laura, Euch und dem gesamten runabout-Team ein ganz herzlicher Dank dafür! Eure abschließende Einladung war für uns das i-Tüpfelchen auf einem unvergesslichen München-Marathon.
Dass wir 2.200 Euro gesammelt hatten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aus dem Vergleich mit den Vorjahren lässt sich schließen, dass die Finanzkrise offensichtlich auch München nicht verschont hat. Dennoch ist es eine stattliche Summe, über die sich das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter jetzt freuen darf. Und mehr wollte der barfüßige Kobold eigentlich nicht, als er sich vor vielen Jahren auf so manche Laufstrecke begab. Er wollte ...
... nur ein wenig Freude machen.
Das schrieb mir Birgit Brunnbauer:
Noch einmal ein dickes Lob an Dich und die anderen kostümierten Läufer, dies war mein erster Marathon und man neigt dazu sich selbst so ausserordentlich wichtig zu nehmen. Bis ich Dich barfuss laufen sah und die Kollegen mit ihren dicken Klamotten, da war ich dann wieder mal ganz kleinlaut. Zumal ich das Glück habe, zwei gesunde Töchter zu haben. Schön, dass es Leute wie Euch gibt.
Zu den 2.200 Euro, welche am Streckenrand gesammelt wurden, kamen bis zum 09.12.2008 noch 454 Euro dazu. Diese wurden von den Teilnehmern des München-Marathon aufgrund des Spendenaufrufs, den jeder in seiner Startertüte fand, einbezahlt. Ganz herzlichen Dank auch hierfür.
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