Erster Barfußlauf der Saison
Eigentlich hatte ich seit kurzem vor, hier meinen allerersten Barfuß-6-Stundenlauf zu absolvieren. Unvergessen sind nämlich bis zum heutigen Tag die letzten 40 Minuten des Walser Benefizlaufs vor einem Jahr. In dieser kurzen Zeit hatte ich mir nämlich unbeschuht meine Achillessehnenprobleme weggelaufen, welche mich zuvor zwei Monate lang plagten.
Nun war es diesmal aber relativ kalt in der Salzburger Ecke. Am Vorabend, so sagte man mir, hatte es hier sogar leicht geschneit. Dementsprechend „warm“ war auch der Boden. Ich eierte also ziemlich herum mit meiner Entscheidung für oder gegen Schuhwerk. Irgendwann stand der Entschluss dann doch fest: Es war definitiv zu kalt, um hier und heute barfuß zu laufen! Doch da hatte ich die Rechnung ohne Gerhard Eggenreich gemacht. Mein österreichischer Lauffreund kreuzte exakt 15 Minuten vor dem Start meinen Weg. Nach einem kurzen Blick auf meine Füße meinte er ungläubig: „Was, heute mit Schuhen?“ Na ja, und da konnte ich nicht anders, als die Dinger auszuziehen. Gerhard hatte mich oft genug in Wörschach bloßfüßig über glühend heißen Asphalt laufen sehen. Dies hier konnte also wirklich nur angenehmer werden.
Und es ging dann auch tatsächlich nicht schlecht, obwohl ich nach 4:30 Stunden schon so gut wie aus dem Rennen war. Inzwischen tat nämlich alleine das Gehen so weh, dass das Ganze nicht mehr wirklich Spaß machte. Mir war von vornherein klar, dass ich mir an diesem Tag Blasen laufen würde. Das passiert mir seit Jahren immer beim ersten langen Barfußlauf der Saison. Die Fußsohlen gewöhnen sich im Winter ganz schnell daran, nicht mehr für Stunden dem blanken Asphalt ausgesetzt zu sein. Vom Frankfurt-Marathon Ende Oktober bis Anfang, Mitte April des nächsten Jahres vergessen sie scheinbar jedes Mal, wozu sie den Sommer über ohne große Probleme imstande sind.
Hier in Wals durfte ich mich eh nicht bei „denen da unten“ beschweren. Bis hier her – ich vermutete zurückgelegte 45 Kilometer – lief es echt gut. Als ich mir gleich nach meinem Ausstieg die größte aller Blutblasen aufstach, erinnerte ich mich an den Freiburg-Marathon 2007, ebenfalls Anfang April. Dort platzte mir die erste Blase bereits nach 17 Kilometern auf. (Okay, der Unterschied lag wohl auch darin, dass hier in Wals der Veranstalter am Tag zuvor eigenhändig zweimal die Strecke für mich abkehrte. Vielen Dank, lieber Klaus! )
Nach einigen Bechern Bier und einem großen Stück Kuchen wollte ich eigentlich zum Duschen gehen. Genau in diesem Moment las ich beinahe zufällig, dass ich bei 48,8 Kilometern rausgegangen war. Ziemlich blöde für die Statistik diese Zahl!? Bei einer Rundenlänge von etwas über 1.400 Metern fehlte mir also nur noch eine einzige Runde, um den 50er voll zu machen. Diese eine noch zu gehen, wollte ich mir dann auch nicht nehmen lassen. Schließlich blieb mir noch eine ganze dreiviertel Stunde Zeit dafür. Also nichts wie aus den Wärmeklamotten und wieder drauf auf die Strecke.
Tja, und da kam es dann, wie es kommen musste. Just in diesem Augenblick huschte mein Freund André Lange vorbei. Mit ihm war ich nach Wals gekommen und zusammen hatten wir die ersten beiden Stunden Runde um Runde gedreht. André nahm mich gleich wieder mit in seinen Sog. Aus dem geplanten Gehen wurde so natürlich nichts. Im Gegenteil, es lief nach dieser Pause besser als vorher, denn die Fußsohlen schmerzten längst nicht mehr so. Jaaa, das hatte jetzt wirklich was von Laufen! Statt einer Runde gehend wurden es bis zum Schluss sechseinhalb Runden rennend, und statt einem Endresultat von 48,8 Kilometern waren es 58,4. Nun ja, wenn jetzt nicht wieder diese dämliche Statistik wäre ... Nein, nein, ich bin hoch zufrieden, und ich hab ihn überstanden, den ungeliebten, weil stets Schmerz bringenden, ersten Barfußlauf der Saison.
In Sachen professioneller Abwicklung war der Walser 6-Stunden-Benefizlauf bereits bei seiner zweiten Auflage kaum zu toppen. Man merkt einfach, wenn Läufe von Läufern gemacht werden. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass die vielen netten Leute auf der Strecke zusammen mit ihren Betreuern und Fans am Streckenrand für eine ausgezeichnete Stimmung sorgten. André meinte auf der Heimfahrt zu mir: „Ich kann jetzt immer besser verstehen, warum Du so gerne in Österreich läufst.“ Und da kam bei mir gleich wieder Vorfreude auf meinen nächsten Austria-Trip auf. Bereits eine Woche später sollte es für Pumuckl nämlich zum dritten Mal heißen: „Hurra Linz“. Doch im Großen und Ganzen gilt für mich: „Hurra Österreich“ |